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Archiv 02 2008

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Januar/Februar 2008

Tagebuch 27. Januar 2008 - Johanna - Jura Kalkstein - Fortsetzung folgt
Jugendkunstpreis Freiburg - Fortsetzung folgt
Ausstellungsbesuch Kunsthalle Würth - Alfred Hrdlicka
Persönliches zu Alfred Hrdlicka


 
Tagebuch 27. Januar 2008


Die Skulptur steht da in ihrer Erscheinungsform. Die Lebendigkeit ist greifbar.
Früher hätte ich gesagt „Das Wesentliche ist geschaffen, alles Weitere ist Makulatur“.
Doch jetzt will ich das faszinierende Unfertige verlassen. Mal schauen ob jenseits dieser Schwelle eine Steigerung des Ausdrucks möglich ist.

Alles was jetzt da ist wird wieder weggeschlagen! Während der Arbeit stirbt eine Skulptur jeden Tag zwei mal!

Die Steinbildhauerei ist grausam, so schön sie auch ist.





Johanna, Jura-Marmor, Höhe ca. 60 cm




 
Jugendkunstpreis Freiburg

Till Brockmeier


Till Brockmeier ist Gewinner des Jugendkunstpreises Freiburg, Bereich Bildhauerei.

Till kämft mit seinem Stein. Er hat schon ein sehr schönes Ergebnis zutage gebracht.
Ich freue mich sehr darüber. Halten wir ihm die Daumen und sind gespannt auf den
9. April, wenn die Skulptur in der Volksbank Freiburg gezeigt wird.


 

Besuch in der Ausstellung Alfred Hrdlicka, Kunsthalle Würth.

Kunsthalle Würth 2008 - Alfred Hrdlickatranstrans

 

Wiedersehen mit einem Stein

Chapeau!

Selten habe ich mich über eine Ausstellung so gefreut, wie jetzt in Schwäbisch Hall bei Alfred Hrdlicka. Sonst geht man durch die Hallen mit inneren Kommentaren wie :"hm,.... aha,... ja,... nett," .......und tschüss!
Nicht bei Alfred Hrdlicka, da springen einem expressiv in Stein gehauene Visionen vom Menschen ins Gesicht. Riesige Bilder und virtuos gezeichnete Graphiken, eines stärker als das andere.

Eine größere Zusammenschau seiner Werke hat es lange nicht gegeben. Es ist also ein absolutes Muss für alle Fans der Steinbildhauerei.
Seine Anwesenheit zur Eröffnung (wenn auch im Rollstuhl), hat mich sehr gefreut, zeigt es doch, daß es ihm wohl gut geht.

Ich habe die Zeit in Wien sehr genossen, denn es gab nichts anderes in seiner Klasse als die Steinbildhauerei. Wenn ich jetzt auch eigene Wege gehe, so hat mich die Zeit doch sehr geprägt.
Ich erinnere mich noch an eine Situation, wo eine groß Steinlieferung aus Italien in der Rustenschacherallee ankam. Zig Tonnen Carrara Marmor!
Ein riesiger Block blau-grauer Bardiglio Marmor, fiel mir ins Auge und ich entschied mich, daraus etwas zu machen. Als ich zusammen mit A. H. mal vor diesem Stein stand, ihm erklärte was ich daraus machen wollte, fiel ihm die besondere Schönheit dieses Steines auf und er bat mich ihm doch ein Stück abzugeben. Da es nun wirklich ein riesiger Brocken war, kamen wir überein, daß ich ihm eine Ecke (ca. 1t) abtrete.
So keilte ich das Stück ab und brachte es bei der nächsten Gelegenheit zu ihm ins Prateratelier, gespannt was er daraus machen würde.

In der Zwischenzeit hatte ich die Begebenheit schon wieder vergessen, umso überraschter war ich, diesen Stein in der Ausstellung jetzt wiederzusehen. Selbst die Keillöcher die ich damals bohrte sind noch zu sehen. Ich schlug aus meinem Stück meine Diplomarbeit, den David.

A.H. schlug aus seinem Stück den Luzifer, eine dreiköpfige Gestalt mit riesigen Brüsten.
Dazu kann ich nur sagen: "Es ist mir eine Ehre!"

Ich kann nur jedem diese Ausstellung ans Herz legen, denn danach ist man ein Stück reicher.





Selbstportrait Alfred Hrdlicka, Kaltnadel-Radierung


Man kann diesen Menschen Alfred Hrdlicka nicht greifen. Wenn man seine Selbstportraits anschaut, die von Größenwahn bis hin zu schallender Selbstironie reichen, so möchte ich an dieser Stelle eines zeigen, das mich persönlich sehr bewegt.
Anlässlich eines Festes in der Rustenschacherallee zur Einweihung unserer kleinen Druckwerkstatt, brachte A.H. eine kleine Druckplatte mit. Eine Kaltnadel-Radierung, die wir gleich am selben Abend auf die Presse legten um für jeden Studenten der Klasse einen Abzug zu drucken. Bei einer Kaltnadel, anders als bei einer Ätzung, kann man das Motiv auf der blanken Druckplatte nur sehr schlecht oder gar nicht erkennen. Selbst der Zeichner hat erst nach einem Probeabzug Gewissheit über das was er da eingeritzt hat.

Was herauskam war ein Selbstportrait, das mich damals sehr berührte, zeigte es Ihn doch bei all der Wucht in seinen Arbeiten, seinen letzten Schülern gegenüber als verletzlichen, zutiefst traurigen Mann.

Wie gesagt, ich war sehr bewegt, denn eine Zeichnung lügt nicht. Für ein geübtes Auge ist eine Zeichnung ein Spiegelbild der Seele. Mit dieser Zeichnung hatte er ein Fenster zu seinem Inneren geöffnet. Ein großer Mann, der alle Facetten des Lebens lebt.



9. Februar 2008
Joachim Klar





 

 





UNTERRICHT

mit Joachim Klar, Dozent für Zeichnung, Jugendkunstschule im Jugendbildungswerk Freiburg.

INFO: jugendkunstschule@jbw.de